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Erfolgreich abgeschlossen. Das konnte Vereinsvorsitzender Detlev Wulff Ende 2019 gleich für das große Naturschutzprojekt am Südsee in Braunschweig melden. Einerseits ist das die Verbindung von Oker und Südsee, andererseits der Einbau von fünf Fischreisern im südlichen Südsee-Bereich. 

Logos der Förderer
Dies sind Logos unserer Projekt-Förderer

Beide Projekte hat der ASV initiiert, umgesetzt wurden sie mit Hilfe vieler Partner: der Europäischen Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), dem Land Niedersachsen, der Niedersächsischen Bingo Umweltstiftung, der Stadt Braunschweig (Stadtplanung und Umweltschutz), den Planern Bernd Popp vom Ingenieurbüro Richter und Manfred Lehmann, Ingenieurbüro Lehmann, der Firma Hondelager Baubetriebe, den Firmen Ökofrank und Gruner & Wurm, beide in Braunschweig. Ganz besonderes hat sich Ulrich Kahrmann von der Unteren Naturschutzbehörde Braunschweig engagiert, der in allen Fragen des Projektes unterstützt und beraten hat.

Radfahrer, Jogger, Spaziergänger, Vogelfreunde, Segler, Modellboot- und Kanufahrer und auch die Angler des ASV schätzen den Südsee und die Natur drumherum. Frühmorgens findet man seine Ruhe, des nachmittags wird es – vor allem an Wochenenden und bei schönem Wetter – etwas belebter. Keine Frage, der Südsee ist eine Perle der Naherholung in Braunschweig. Beide Projekte – sowohl der Anschluss des Südsees an die Oker als auch der Einbau von Fischreisern – haben ein Ziel: die ökologische Qualität des Südsees zu verbessern.
Keines der Stillgewässer in der Okeraue von Braunschweig hat einen fischpassierbaren Anschluss an die Oker als Fließgewässer. Da die Oker kanalisiert und zum Teil tief eingeschnitten im Gelände verläuft, können sich Fische insbesondere bei Hochwasser und starker Strömung oder im Winter nicht in strömungsberuhigte Einstände zurückziehen. In der Landenge zwischen Südsee und Oker, dort, wo früher der Fuhsekanal in die Oker mündete, wurde darum eine dort vorhandene Spundwand zum Teil geöffnet. Diese kann jetzt ganzjährig von allen Organismen für einen Habitatwechsel genutzt werden. Auch kann der Wasserspiegel im See an der für die Oker inzwischen erreichten saisonalen Dynamik teilhaben, was zu einer deutlich differenzierten Ausbildung der Ufervegetation führt. Mit dem Bau von Fischreisern im Südsee sollen insbesondere für Jungfische Schutznischen geschaffen werden, da derartige Strukturen und Wasserpflanzen bisher fehlen.

Kanufahrer am Durchlass
Bereits im Juli 2019 konnte die Neue Verbindung zwischen Oker und Südsee von den Wassersportlern genutzt werden

Der Anschluss des Südsees an die Oker und der Einbau von Fischreisern folgt den Zielen des Fließgewässerschutzprogramms des Landes Niedersachsen. Im Gegensatz zu den anderen Stillgewässern der Okeraue, die eher nur alle 10 Jahre von Hochwassern erreicht werden, ist am Südsee jetzt eine ganzjährige Fischpassierbarkeit gegeben. Der See dient damit Fischen aus der Oker als Laichgewässer sowie bei Hochwasser oder im Winter als Einstand.
In den gestauten Abschnitten der Oker in Braunschweig kommt es in Hitzeperioden aufgrund der geringen Durchflüsse zu einer starken Schwankung des pH-Wertes und des Sauerstoffgehaltes. Durch den ganzjährig nutzbaren Anschluss des Südsees an die Oker wird Fischen wieder ein Rückzugsraum bereitgestellt und somit das Überleben gesichert.

Die Planung beider Projekte hatte bereits 2017 begonnen. Bis zu ihrer Fertigstellung im vorigen Jahr war es langer, manchmal beschwerlicher Weg. Planung, wasserbaurechtliche Genehmigung, Sicherung der Finanzierung, die Suche kompetenter Firmen, die Auftragsvergabe und der Bau selbst forderten alle Beteiligten. Immer wieder waren nicht vorhersehbare Schwierigkeiten zu meistern. Die alte Spundwand zwischen Oker und Südsee zum Beispiel erwies sich als ziemlich angegammelt. Sie musste durch zusätzliche Stahlträger verstärkt werden. Die waren so einzubauen, dass sie die Fische durchlassen, aber Kanufahrer nicht behindern, die zwischen Südsee und Oker hin- und herfahren. Also wurde der Stahlträger unter der Wasseroberfläche mit einer dicken Gummimatte ummantelt. Diese schützt die Kanus vor Beschädigungen, sie können jetzt ohne Probleme den Durchlass passieren.

Und als die Baustelle an der Spundwand eingerichtet, mit einem Erdwall zur Oker gesichert und endlich trockengelegt war, stoppte ein Hochwasser die Arbeit vorübergehend. Ende Juli vorigen Jahres konnte der neue Durchlass schließlich seiner Bestimmung übergeben werden.

Einrammen der Robinienpfähle
Einrammen der Robinienpfähle für die Fischreiser

Ehemalige Kiesabbaugewässer wie der Südsee haben nur selten eine optimale Unterwasserstruktur, es fehlen zum Beispiel Unterschlupfmöglichkeiten für den Fischnachwuchs. Hier muss nachgebessert werden. Zum Beispiel mit Totholz. Das kann der Fischbrut in strukturarmen Gewässern gute Verstecke bieten. Der ASV hat bereits am Hasselkampsee in Sonnenberg beste Erfahrungen damit gesammelt.

Die Situation am Südsee ist allerdings anspruchsvoller. Der See wird auch von Seglern genutzt. Und die sind von Hindernissen unter Wasser nicht sehr begeistert. Die Lösung sind sogenannte Fischreiser, die auch über dem Wasser deutlich gesehen werden. Fischreiser sind Aufschüttungen von Totholz. Das wird von langen Holzpfählen an seinem Platz gehalten, die im Kreis tief in den Seegrund gerammt wurden. Damit das Holz nicht wieder auftreibt, wird es in entsprechender Tiefe zusätzlich mit Baustahlmatten und Natursteinen beschwert.

Transport von Totholz
Mit der Arbeitsplattform werden Reisig und Äste zu den Plätzen der Fischerreiser gefahren und dort versenkt

 

Fünf Fischreiser wurden im rund zwei Meter tiefen südlichen Teil des Südsees eingebaut, wo sich das relativ flache Wasser schneller erwärmt. Junge Fische lieben warmes Wasser, sie halten sich bevorzugt hier auf. Segler hingegen meiden diesen Teil des Sees überwiegend, weil er im Windschatten hoher Bäume liegt. Zudem darf hier nicht geangelt werden, der Bereich ist als Schutzzone ausgewiesen. Die dürfen übrigens auch Schlittschuhläufer nicht befahren, wenn der Südsee im Winter von einer Eisdecke überzogen ist. Und damit auch Spaziergänger am Südsee erfahren, was es mit den vielen kreisförmig angeordneten Pfähle mit den roten Kappen und den weißen Antennen für eine Bewandtnis hat, gibt eine Schautafel am Ufer darüber Auskunft. Gestaltet wurde die Tafel von der Braunschweiger Designerin Andrea Heissenberg und dem Bielefelder Grafiker Matthias Berghahn.

Mit den beiden Projekten hat der ASV die Weichen für eine naturnahe Entwicklung des Südsees gestellt, zum Nutzen für alle, die dieses Kleinod am Stadtrand von Braunschweig gerne aufsuchen.

Haubentaucher sucht Nahrung in den Fischreisern
Schon während der Bauphase stellte sich ein kleiner Haubentaucher ein und suchte eifrig nach Nahrung. Ein Zeichen, dass sich bereits Fische in den Unterständen eingefunden hatten.

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(Fotos: Haubentaucher: Manfred Lehmann; Drohenbilder: Claas Gröschel; alle anderen: Detlev Wulff)